ELGA – die elektronische Gesundheitsakte in Deutschland

(Last Updated On: 19. August 2018)

Im Jahr 2010 wurde ich wegen einer Sportverletzung beim Laufen in zwei verschiedenen Städten an ein und der selben Stelle geröngt. Das geschah innerhalb von zwei Wochen, da wiederholt Beschwerden auftraten – an einem neuen Standort. Grund hierfür: Arzt B hatte keine Möglichkeit, sich die Röntgenergebnisse von Arzt A in einem annehmbaren Zeitraum zu besorgen. Die Folge: Eine unnötige Strahlenbelastung für den Patienten.

Die Lösung: Ein etablierter Prozess zum digitalen Datenaustausch von Patientenbefunden. Dies hätte die Anforderung und den anschließenden Austausch der Patientendaten über den Postweg erspart und damit beschleunigt. Das Problem: Einen solchen Prozess gibt es bis dato nicht. Bis heute konkurrieren zahlreiche Modelle auf dem Markt um die Gunst der Nutzer.

Dabei würden gemäß Umfrage 60 Prozent aller Teilnehmer eine elektronische Personalakte nutzen.

0 %
begrüßen eine elektronische Gesundheitsakte
0 %
lehnen eine ePA ab

Quelle: Umfrage Digitalverband Bitkom, März 2017

Die elektronische Patientenakte

Die elektronische Patientenakte würde von vielen Deutschen akzeptiert werden. Aber unter einer Bedingung. Betreiber und Verwalter der Gesundheitsakte müssen die Krankenkassen sein.

Diese genießen gegenüber dem Patienten aufgrund ihrer staatlichen und behördlichen Regulierung ein besonderes Vertrauensverhältnis.

Private Anbieter elektronischen Gesundheitsdatenbanken sind hingegen in der Vergangenheit gescheitert – aus gutem Grund. Darunter bespielsweise die damalige Google Health Initiative.

Dies war jedoch immerhin rund vier Jahre nutzbar und zeigte die grundsätzliche Relevanz einer solchen Lösung auf. Einziges Problem war das mangelnde Vertrauen der Benutzer in den Plattformbetreiber.

Wie digitalisiert sind deutsche Ärzte

Das Vertrauen der Deutschen in eine digitale Patientenakte wäre also da, sofern diese von einer vertrauenswürdigen Instanz verwaltet wird. Nun muss man sich die nächste Frage stellen: Sind unsere Ärzte überhaupt dazu bereit, den Schritt in die Digitalisierung zu wagen?

Viele Ärzte der alten Schule nutzen für Geschäftsbriefe noch nicht einmal ein Textverarbeitungsprogramm wie Microsoft Word, sondern noch Papier und Stift.

Die Digitalisierung der deutschen Ärzteschaft
schreiben Briefe noch mit Zettel und Stift 47%
führen noch Papierakten 34%
bewerten die Digitalisierung als Chance zur Verbesserung 69%
sehen dadurch weniger Doppeluntersuchungen 54%

Quelle: Umfrage Hartmannbund und Bitkom unter 477 Medizinern

Alles in Allem lässt sich sagen, dass die Ärzteschaft zwar das Potential der Digitalisierung bereits erkannt hat, den Prozess jedoch noch nicht lebt. Vieles hat dabei auch  mit dem kontinuierlich steigenden Durchschnittsalter der Ärzte zu tun.

 

Digitale Patientenakte in Deutschland. Wie digitalisiert ist die deutsche Ärzteschaft in der Medizin
Entwicklung des Durchschnittsalters unter der deutschen Ärzteschaft

Digitalisierung in der Medizin: Ein Interessenskonflikt

Die nächste Frage die man sich stellen könnte ist: Wie dringend müssen Ärzte die Digitalisierung in ihren Praxisalltag integrieren? Schliesslich steht Ihnen als Kassenpatient eine freie Arztwahl zur Verfügung.

Ärzte, die sich nicht nach den Bedürfnissen der Patienten ausrichten, verlieren demnach an Stammkundschaft. Insbesondere unter jungen Leuten. 

Jedoch betseht auf Seiten der Allgemeinärzte ein natürlicher Abwehrmechanismus gegenüber der elektronischen Patientenakte. Viele Patienten gehen schließlich bewusst immer wieder zum selben Hausarzt, weil der einen ja kennt.

Dieses Argument ist dahin, sobald Ärzte nur noch einen Mausklick von der gesamten Patientenhistorie entfernt sind. Das Argument für den Stamm-Hausarzt zählt dann nicht mehr so stark wie bisher.

Durch die verminderte Notwendigkeit doppelter fachmedzinischer Untersuchungen wie etwa durch Röntgenbilder wird sich durch diese Entwicklung auch der Umsatz der Ärzteschaft verringern. Hierbi steht also die Frage im Raum Was haben Ärzte positives von der digitalisierten Gesundheitsakte zu erwarten?

Wir haben also einerseits einen Marktbedarf mit hohen Mehrwerten für die Patienten und hohen Kosteneinsparungen auf Seiten der Krankenkassen, aber einen Interessenskonflikt mit dem Wunsch nach Exklusivität seitens der Hausärzte.

Das Deutsche E-Health Gesetz

Auf Basis der oben geführten Erläuterungen lässt sich schon erahnen: Man muss die Ärzte zum Kundenservice zwingen. De fakto geschieht das auch, und zwar in Form des E-Health-Gesetzes aus dem Jahr 2015.

Der Weg zum Gesetzesentwurf war ein langer. Schon im Jahre 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes die elektronische Patientenakte (ePa) definiert.

Das Ziel: Gesundheitsdaten sollten Ihren Weg auf die elektronische Gesundheitskarte (eGK) finden. Jedoch war diese Funktion bislang nicht bindend, und daher blieb die Motivation zur Umsetzung entsprechend aus.

Dies ändert sich nun mit dem 2015 verabschiedeten e-Health Gesetz. Diese sieht ab 2019 die elektronische Patientenakte als freiwillige Kassenleistung für gesetzlich Krankenversicherte vor.

Demnach ermöglicht dies dem Versicherten, die Kontrolle über die dem Arzt bereitgestellten elektronischen Daten zu behalten. Dabei hat er etwa die Wahl zur Freigabe und Pflege des Notfalldatensatzes (darunter etwa die Blutgruppe, Organspendedaten, Patientenverfügung und die Ansprechpersonen im Notfall).

Zusätzlich kann der Versicherte Medikationspläne freigeben, so dass der Arzt beispielsweise eine Übersicht darüber bekommt, welche Medikamente der Patient regelmäßig einnimmt. Aber auch Arztbriefe, die Hausärzte zur Konsultation der fachlichen Kollegen hinterlassen haben, können dadurch weitergereicht werden.

Endlich entfällt auch die Suche nach dem Impfbuch. Alle Impfungen können nun auf Wunsch elektronisch protokolliert werden. Dies vermeidet die versehentliche Wiederholung einer bereits durchgeführten Impfung im Zweifelsfall sowie das Versäumen einer Auffrischung.

Das Patientenfach als digitaler Gesundheitsspeicher

 

Andreas Loibl ist SAP-Berater, Ethical Hacker und Online Marketing Manager und schreibt auf seinem Blog DaFRK Blog über verschiedene Themen in den Sektoren Projektmanagement, Informationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung, Finanzen und Zeitmanagement.

DaFRK

Andreas Loibl ist SAP-Berater, Ethical Hacker und Online Marketing Manager und schreibt auf seinem Blog DaFRK Blog über verschiedene Themen in den Sektoren Projektmanagement, Informationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung, Finanzen und Zeitmanagement.

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