SAP Hybris as a Service (YaaS) kurz erklärt

(Last Updated On: 3. Juli 2017)

SAP Hybris as a Service (auch genannt YaaS) ist eine Plattform zur Gestaltung von Microservices. Microservices sind kleine Bestandteile, die man ansonsten immer in einer monolithischen Software vorfindet. Beispielsweise könnte ein Microservice die Gestaltung eines Warenkorbs in einem Online-Shop sein. Während also der Warenkorb in einer fertig konzipierten Software ein integraler Bestandteil ist, beispielsweise bei Amazon, kann ich mir einen Warenkorb als Microservice in Hybris „mieten“, ihn ein wenig an meine Bedürfnisse anpassen, und ihn dann an andere Microservices anbinden. Beispielsweise könnte ich mir noch einen weiteren Microservice für den Bezahlungstunnel hinzumieten, der eine Bezahlung über Vorkasse, Überweisung und Paypal unterstützt. Dann miete ich mir vielleicht noch einen Microservice, der sich um die Abwicklung des Versandes kümmert.

Diese Microservices kann ich nun mit einem sogenannten Mash-Up Service verbinden und in meine restliche Servicelandschaft integrieren. So kann ich mit dem Mash-Up Service nun den Verbund aus den Microservices Warenkorb, Bezahlungstunnel und Lieferungsabwicklung in viele meiner existierenden Online-Shops integrieren, ohne mich selbst um die Verbesserung, Aktualisierung oder Gestaltung dieser Microservices selbst kümmern zu müssen.

Das bedeutet ganz konkret: Microservices sind ein guter Ersatz für immer wieder benötigte Softwarebestandteile, wie beispielsweise ein Warenkorb, ein Bezahlungstunnel, ein Videoplayer, eine Fotogallerie usw. Die Anbieter der Microservices sind auf das Gestalten dieses speziellen Microservices spezialisiert. Anstatt dass also jedes unternehmen seinen eigenen Bezahlungstunnel und seinen eigenen Warenkorb entwickelt, spezialisiert sich ein einzelnes Unternehmen darauf, dafür aber sehr gut, und liefert diesen Microservices an andere Interessenten aus.  Da die Microservices miteinander in Form von APIs kommunizieren, die über offene Standards wie XML, JSON oder HTTP Nachrichten austauschen, ist es vollkommen irrelevant, mit welcher Programmiersprache diese Microservices entwickelt wurden. Dies verbessert die Qualität der einzelnen Services, da nun eine Spezialisierung vorherrscht. Sie sind außerdem ein wertvolles Mittel für Startups, die eine sogenannte Time To Market Idee haben, also eine Idee, die schnell auf den Markt muss, da die Gefahr sehr groß ist, dass jemand sie einem weg schnappt. Anstatt wertvolle Zeit mit der Konzipierung eines Online-Shops zu vergeuden, gestaltet man einfach nur ein wenig die Softwarebasis und kauft sich den Rest der Funktionalitäten blitzschnell als Microservice hinzu.

SAP Hybris as a Service bietet nun auch eine einfach zu bedienende Plattform an, indem man sich solche Microservices sehr einfach dazu mieten kann. Die Microservices laufen dann in der Hybris Cloud unter einer SAP HANA Datenbank. Das heißt der Kunde verlagert auch das Sizing dieses Softwarebestandteiles an SAP aus. SAP kümmert sich darum, dass ein Microservice mehr Ressourcen zugewiesen bekommt, wenn die Last auf diesem Microservice gefährlich anwächst.

Durch das Konzept der Microservices werden Sie als Unternehmer nun auch zunehmend unabhängig von bestehenden Softwareentwicklern. Wenn Ihnen früher eine Softwarefirma einen Online Shop programmiert hat und Sie unzufrieden mit dem Bezahlungstunnel waren, dann waren Sie darauf angewiesen, dass eben diese Softwarefirma das Problem für Sie behebt – oder Sie beauftragen einen neuen Dienstleister und bezahlen erstmal sehr viel Geld dafür, dass der sich in die Software seines Konkurrenten einarbeitet. Wenn Sie nun unzufrieden mit dem Bezahlungstunnel sind, bestellen Sie ihn einfach ab und mieten sich den Bezahlungstunnel eines anderen Dienstleisters, der Ihre Bedürfnisse besser befriedigt.

Nun ist allerdings nicht alles bei SAP Hybris as a Service (YaaS) positiv zu bewerten. Beispielsweise haben Sie nun in den Services einen gewissen Datenoverhead, da sich nun wirklich jeder dieser Softwarebestandteile über ein Netzwerk unterhalten kann. Bei einer vollständig monolithisch programmierten Software könnten ansonsten einige dieser Verarbeitungsvorgänge „nur über die CPU“ abgewickelt werden, ohne dass irgendein Netzwerkpaket verschickt werden muss. Dies bedeutet für Sie jetzt unter Umständen eine höhere Anforderung an die Netzwerkbandbreite oder andere Ressourcen, wenn Sie diese Microservices beispielsweise an eine Software anbinden, die Sie on-Premise bei sich im Rechenzentrum betreiben.

Desweiteren müssen Sie sich nun um die Verwaltung von vielen kleinen Services kümmern. Jeder Service hat seine eigenen Vertragskonditionen, das heißt jeder Serviceanbieter definiert selber, ab welchem nutzungsvolumen er wie viel für die nutzung seines Microservices verlangt.  Und damit wären wir auch schon beim nächsten Problem: Natürlich kosten diese Microservices ab einem gewissen nutzungsvolumen Geld. anfangs sind viele Services noch kostenlos, doch ab mehreren 1000 Zugriffen am Tag müssen Sie dann zum ersten mal wirklich in die Geldbörse greifen. Und das für softwarebestandteile wie einem Bezahlungstunnel oder einem warenkorb, die in einer monolithisch entwickelten Software keine laufenden Kosten verursachen würden – naja, zumindest bis auf die hin und wieder anfallenden Wartungskosten beim Umprogrammieren oder Patchen der Softwarebestandteile, was Sie beim Microservice hingegen wieder sozusgen kostenlos dazu bekommen. Dadurch, dass die Microservices anfangs jedoch kostenlos sind, bedeutet dies auch, dass Sie als Start-Up Unternehmer anfangs sehr günstig mitskalieren können und erst dann wirklich zahlen müssen, wenn Sie Ihre ersten Gewinne einfahren und erfolgreich sind.

Desweiteren sind die Microservices nur in einer Public Cloud verfügbar. Das heißt: Jede Änderung an einem Microservice beeinflusst alle Kunden dieses Microservice gleichermaßen. Sie als Mieter eines Microservice können nicht selbst entscheiden, wann Sie eine Aktualisierung auf eine neuere Version des Microservice vornehmen wollen. Alle Kunden haben immer die gleiche Version des Services im Einsatz und daher keinen Einfluss auf das Lifecycle Management dieses Services. Sie bestimmen nicht, welches Feature als nächstes entwickelt wird und Sie bestimmen nicht, wann ein bestimmtes Feature ausgerollt wird. Bei einer Private Cloud hingegen hat jeder Kunde seine eigene Cloud-Umgebung, wodurch Sie auf einige dieser Faktoren wieder Kontrolle ausüben könnten.

Wann lohnt es sich also für Sie als Unternehmer, über Microservices nachzudenken?

  • Sie führen ein Startup und haben eine Time-To-Market Idee und müssen daher schnell mit Ihrem Produkt auf den Markt kommen
  • Ihre Software ist wenig individuell, das heißt Sie brauchen keine speziell auf Ihr Unternehmen zugeschnittene Features und sind daher mit einem Public Cloud Modell einverstanden
  • Sie wollen unbhängig von einem speziellen Softwaredienstleister sein und Bestandteile der Software bei Unzufriedenheit austauschen können
  • Sie haben nicht den Platz, das Know-How oder die Zeit, um sich um das Hosting und die Skalierung Ihrer Software zu kümmern.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei SAP Hybris: Sie müssen SAP Business Partner sein, bevor Sie den Dienst nutzen können. Dies geht wiederum einher mit bestimmten Obligationen und Gebühren, bei denen Sie selbständig vergleichen müssen.

SAP Hybris und die SAP HANA XS Advanced Engine

SAP Hybris als Provider von Microservices arbeitet sehr gut mit der SAP HANA XS Advanced Runtime Engine zusammen. Die SAP HANA XS Advanced Runtime ist ein Zusatz für eine SAP HANA Platform Edition, die sie jederzeit nachinstallieren können. Mit der XS Advanced Runtime können Sie über JavaScript-Anwendungen, die innerhalb der XS Advanced laufen, auf die Daten der SAP HANA Datenbank zugreifen. Der Zugriff erfolgt über Berechtigungen interner SAP HANA Benutzer. Damit ist es Ihren SAP Hybris Microservices sehr einfach möglich, über die XS Advanced JavaScript Anwendung auf die Daten Ihrer ERP-Softwaresysteme zuzugreifen, da sich sowohl die SAP Hybris Micro Services als auch die JavaScript „Microservices“ per APIs miteinander austauschen können. Die technische Topologie dieser XS Advanced JavaScript Microservices soll im Folgenden einmal abgebildet sein.

xsadvanced

Andreas Loibl ist SAP-Berater, Ethical Hacker und Online Marketing Manager und schreibt auf seinem Blog DaFRK Blog über verschiedene Themen in den Sektoren Projektmanagement, Informationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung, Finanzen und Zeitmanagement.

DaFRK

Andreas Loibl ist SAP-Berater, Ethical Hacker und Online Marketing Manager und schreibt auf seinem Blog DaFRK Blog über verschiedene Themen in den Sektoren Projektmanagement, Informationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung, Finanzen und Zeitmanagement.

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