S/4HANA Release Strategie | Innovation Release | Feature Pack Stack erklärt

(Last Updated On: 9. November 2018)

Nach meinem Eindruck gibt es da draußen einige Verwirrung über die Gestaltung der S/4HANA Release Strategie. Deshalb habe ich es mir in diesem Beitrag zur Aufgabe gemacht, die Release Strategie verständlich zu erläutern. Insbesondere gibt es Probleme bei der Unterscheidung zwischen Updates der Anwendung S/4HANA und der darunterliegenden Datenbank SAP HANA. In diesem Beitrag durchleuchte ich, was ein SAP S/4HANA Innovation Release ist und wie die Strategie unter S/4HANA funktioniert. Was ist der Unterschied zwischen Feature Pack Stack (FPS) und einem Support Package Stack (SPS)? All diese Fragen werde ich beantworten.

Wir starten zunächst mit der Release Strategie des Anwendungsservers SAP S/4HANA. Danach durchleuchten wir in einem anderen Beitrag die Strategie für SAP HANA, welche auch alleinstehend als Datenbank bzw. Datenentwicklungsplattform genutzt werden kann. Beide Komponenten spielen in diesem Zusammenhang zusammen. Wir unterscheiden auch zwischen der on-Premise Welt und der Cloud Edition von SAP S/4HANA.

Wie funktionieren SAP S/4HANA Versionen und Innovation Releases?

Ein SAP S/4HANA Innovation Release wird gekennzeichnet durch das Veröffentlichungsjahr und den Veröffentlichungsmonat. So steht beispielsweise S/4HANA 1511 für den November 2015 und S/4HANA 1608 für den August 2016. Zu unterscheiden ist außerdem, ob ein Innovation Release nur für die Public Cloud vorgesehen ist oder auch für die sogenannte On-Premise Welt. On-Premise bedeutet in diesem Kontext: Innerhalb der Infrastruktur des Nutzers der Software.

Die verschiedenen S/4HANA Produktlinien und Versionen

Zudem muss man, sofern der Unterschied noch nicht klar ist, unterscheiden zwischen S/4HANA Finance (auch SFIN genannt) und S/4HANA Enterprise Management. Hierbei handelt es sich mehr um unterschiedliche Produkte, die auf gemeinsamen Basis basieren. SAP S/4HANA Finance besteht im wesentlichen aus folgenden Komponenten

  • Der technischen Grundlage aus dem altbekannten SAP ECC bzw. SAP ERP 6.0. Hierbei handelt es sich wiederum um SAP NetWeaver 7.4 oder neuer + die Softwarekomponenten aus SAP ECC. S/4HANA basiert weiterhin auf SAP NetWeaver, die ERP-Softwarekomponenten sind in den S/4HANA Kern (S4CORE) integriert.
  • Den Neuerungen unter Simple Finance und Simple Logistics. Diese Neuerungen bestehen im wesentlichen aus der neuen Hauptbuchhaltung, der neuen Anlagenbuchhaltung sowie aus einem vereinfachten Datenmodell und wurden zunächst durch Installation eines Addons (damals SAP Simple Finance Add-On 2.0) implementiert, sind unter S/4HANA aber im Kern (S4CORE) inkludiert.
  • Dem SAP Smart Business for Simple Finance Addon. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um analytische Apps zur echtbasierten Analyse auf dem System selbst.
  • der Softwarebasis für den Betrieb von SAP Fiori. Diese Funktionalität besteht aus Frontend- und Backend-Addons. Während die Frontend-Addons auf einen sogenannten SAP Fiori Frontend-Server ausgelagert werden können, sind unter SAP S/4HANA mindestens die Backend-Komponenten für SAP Fiori integriert.
  • Dem SAP NetWeaver Gateway 2.0, insbesondere zum Aufbau von ODATA-Schnittstellen. Das Gateway ist als Softwarekomponente in den SAP NetWeaver integriert.
  • Der Datenbank und Datenentwicklungsplattform SAP HANA (im Major Release 1.0 oder 2.0)
  • Dem virtuellen Datenmodell von SAP HANA Live. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um vorgefertigte Views, die als Paket in SAP HANA integriert werden.

Dieser Softwarestapel ist also das, was wir heutzutage als SAP S/4HANA Finance bezeichnen. Unter S/4HANA Enterprise Management versteht man die Erweiterung dieses Softwarestapels um Komponenten aller business-kritischen Prozesse. Kernstrategie von SAP ist hierbei, die kritischen Kernprozesse eines Unternehmens über den S/4HANA Kern (S4CORE) vollständig abzubilden und durch die entsprechenden Nebensysteme (wie etwa SAP SRM, SAP EWM, SAP CRM, SAP HCM) und Cloud-Dienste (Concur, Ariba, Fieldglass, SuccessFactors) zu ergänzen.

Auf lange Sicht möchte der Hersteller die betriebswirtschaftlichen Nebensysteme der alten Business Suite wie etwa EWM, CRM und HCM mehr und mehr in den Kern von SAP S/4HANA Enterprise Management aufnehmen (zum Großteil bereits geschehen), so dass ein on-Premise Kunde alle zentralen Funktionalitäten in S/4HANA inkludiert hat und nur noch technische Nebensysteme (wie SAP GRC, SAP IDM und SAP SSO) sowie die Cloud-Dienste neben seinem „Digital Core“ betreibt. Der Trend geht auch ganz klar in diese Richtung. Mehr und mehr Kunde unter S/4HANA reduzieren die Anzahl ihrer on-Premise Systeme und bilden ihre Unterstützungsprozesse mehr mit den SAP Cloud Diensten ab.

Der Softwarekern von Enterprise Management soll außerdem auf digitale Innovationen ausgerichtet sein und beispielsweise Konzepte wie Augmented Reality, Blockchain, Polyglot Persistence und das Internet of Things besser unterstützen. Wenn es nach dem Konzept des Herstellers geht, ist SAP S/4HANA der neue digitale Kern eines Unternehmens, in welchem alle geschäftskritischen Wertschöpfungs- und Unterstützungsprozesse abgebildet werden. Wenn man von S/4HANA spricht, spricht man in Wahrheit von SAP S/4HANA Enterprise Management.

Unterschied zwischen Cloud Edition und on-Premise Edition

Nun unterscheidet man bei S/4HANA Finance und S/4HANA Enterprise Management noch zwischen der on-Premise Edition und der Cloud Edition. Eine vollständige Produktbezeichnung kann also eine der folgenden Muster annehmen

  • SAP S/4HANA Finance <Innovation Release>, on-Premise Edition
  • SAP S/4HANA Finance Cloud <Innovation Release>
  • SAP S/4HANA Enterprise Management <Innovation Release>, on-Premise Edition
  • SAP S/4HANA Enterprise Management Cloud <Innovation Release>

Bei den Cloud Editionen unterscheidet man noch zwischen einer Public Cloud und einer Private Option. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Deployments von S/4HANA in der Cloud wird im Wesentlichen von den Verantwortlichkeiten zwischen Cloud-Betreiber und Kunde sowie in der Möglichkeit zur Kundenmodifikation gesteuert. Die einzelnen Option habe ich in meinem Beitrag zur S/4HANA Roadmap bereits einmal erläutert.

Was ist ein S/4HANA Innovation Release?

Ein Innovation Release ist für die on-Premise Edition in der Regel einmal im Jahr geplant. In der Regel geschieht dies im Zeitraum zwischen September und November. Ein Innovation Release enthält alle Innovationen und Änderungen der vorangehenden Innovation Releases und deren Feature Pack Stacks. Die Cloud Edition von SAP S/4HANA enthält in der Regel mehrmals jährlich einen neuen Innovation Release.

Die Versionsnummer setzt sich zusammen aus den letzten beiden Jahreszahlen und der nummerischen Repräsentation des Herausgabemonats. So steht beispielsweise S/4HANA 1511 für den November 2015 und S/4HANA 1610 für Oktober 2016. Sie besteht in der Regel aus Änderungen in der Geschäftslogik, die sowohl fachlicher, juristischer als auch technischer Natur sein können. In der Regel geht es um zentrale Innovationsziele wie etwa die Integration des Customer Relationship Managements (CRM) in den S4CORE. Zusammen mit einem neuen Major Release von SAP S/4HANA wird in der Regel ein neuer Major oder Minor Release von SAP NetWeaver eingeführt. SAP NetWeaver ist ein Applikationsserver. Er dient als technische Grundlage und Laufzeitumgebung für die Anwendungslogik von S/4HANA. Alle Programme, auf denen die Geschäftslogik von SAP S/4HANA basiert, werden auf der SAP NetWeaver Plattform ausgeführt. Die neue Version des SAP NetWeaver bringt in der Regel Änderungen im Bereich der Software-Architektur, Performance, Coding-Werkzeuge und der Informationssicherheit mit sich.

Eine neue NetWeaver Version oder grundlegende architektonische Neuerungen im Anwendungskern (S4CORE)  ist meistens der einzige wirklich ausschlaggbende Unterschied zwischen einem neuen Innovation Release und einem Feature Pack Stack.

Was ist ein S/4HANA Feature Pack Stack (FPS)?

Einen Feature Pack Stack (FPS) gibt es in der Regel nur für die on-Premise Edition von S/4HANA. Ein Feature Pack Stack basiert immer auf einem S/4HANA on-Premise Innovation Release. Dadurch kommt dann die entsprechende Versionsbezeichnung zustande, beispielsweise S/4HANA 1709 FPS02. Wenn es für die on-Premise Version einen neuen Feature Pack Stack gibt (z. B. SAP S/4HANA 1709 FPS02), gibt es für die Cloud Edition einen neuen Innovation Release (z. B. S/4HANA 1805 Cloud). Feature Pack Stacks werden immer zwischen zwei on-Premise Innovation Releases heraus gebracht. Gibt es für die on-Premise Edition einen neuen Innovation Release, erhält der ältere keine Feature Packs mehr.

Der Unterschied zwischen einem FPS und einem Innovation Release ist daher sehr gering. Auch ein Feature Pack Stack bringt in der Regel neue fachliche, juristische und technische Innovationen mit sich. Meist ändert sich bei einem neuen FPS der Major Release des darunter liegenden SAP NetWeaver nicht. Stattdesen wird die NetWeaver-Version beim Einspielen eines FPS nur mit einem neuen Support Package Stack (SPS) versorgt.

Was ist ein S/4HANA Support Package Stack (SPS)?

Ein Support Package Stack besteht aus mehreren Support Packages für verschiedene Softwarekomponenten. S/4HANA besteht neben der Softwarekomponente S4CORE noch aus diversen anderen Komponenten. Beispielsweise gibt es vom Kern abgetrennte Komponenten für die Integration mit dem SAP LT Replication Server, für das SAP NetWeaver Gateway 4.0, die SAP NetWeaver Basis und das SAP Fiori Backend. Sowohl der S4CORE als auch die anderen Softwarekomponenten werden mit Support Packages stabil und sicher gehalten. Ein Support Package besteht in der Regel aus mehreren SAP Hinweisen. Das Konzept von SAP Hinweisen habe ich bereits in diesem älteren Beitrag einmal erklärt. Sie enthalten  in der Regel Bugfixes, neue technische Erweiterungen und Security Changes.

Wenn man einen Bugfix sehr dringend dringend braucht und nicht auf den nächsten Support Package Stack warten möchte, kann man die einzelnen SAP Hinweise in der Regel einzeln einspielen. Um jedoch alle Stabilitätsänderungen für alle Softwarekomponenten auf einen gemeinsamen Stand zu synchronisieren, sollte früher oder später ein aktueller SPS installiert werden. Ein s/4HANA Feature Pack Stack (FPS) enthält IMMER auch einen Support Package Stack. S/4HANA 1709 FPS02 ist gleichzeitig auch S/4HANA 1709 SPS02.

Wie später noch erläutert werden wird, wird ein S/4HANA Innovation Release auch dann noch vom Hersteller betreut und stabil gehalten, wenn es schon den nächsten Innovation Release und damit keine Feature Packs für diesen Release gibt. So wurde etwa der Innovation Release S/4HANA 1709 vom Release S/4HANA 1809 abgelöst. Deswegen ist der letzte Feature Pack Stack für 1709 der FPS02. Da jedoch der Release weiterhin mit Support Package Stacks versorgt wird, wird die Nummerierung beim letzten FPS fortgesetzt. Der nächste Support Package Stack wäre also S/4HANA 1709 SPS03. Das ist auch logisch, weil S/4HANA 1709 FPS02 gleichzeitig auch den Support Package Stack (SPS02) beinhaltet.

Wie ist der Zeitplan für S/4HANA Releases und Support Packages?

Ein S/4HANA Innovation Release ist für die on-Premise Edition einmal im Jahr geplant.  In der Regel geschieht dies im Zeitraum zwischen September und November. Ein Innovation Release enthält alle Innovationen und Änderungen der vorangehenden Innovation Releases und deren Feature Pack Stacks. Die Cloud Edition bekommt entsprechend öfter einen neuen Innovation Release, da die Cloud Edition keine Feature Pack Stacks (FPS) kennt.

Feature Pack Stacks sind in der Regel zweimal jährlich im 1. Und 2. Quartal des Folgejahres geplant. Bei Bedarf besteht die Option auf einen dritten FPS. Der regelmäßige Release von Feature Pack Stacks soll sicherstellen, dass die Lösung marktorientiert und wettbewerbsfähig bleibt. Spätestens nach dem dritten Feature Pack Stack folgt in der Regel der nächste Innovation Release für die on-Premise Edition.

Ein Innovation Release geht nach einer gewissen Zeit in den Maintenance Only Mode. Dies geschieht normalerweise immer dann, wenn der nächste on-Premise Innovation Release veröffentlicht wird. Befindet sich ein Innovation Release im Maintenance Mode, gibt es für diesen Release keine Feature Pack Stacks und somit keine Innovations-Updates mehr. Der Innovation Release wird dann nur noch mit Hilfe von Support Package Stacks (SPS) stabil und sicher gehalten. Die Nummerierung der Support Packe Stacks ist mit den Feature Pack Stacks konsekutiv. Nach S/4HANA 1610 FPS02 folgt demnach S/4HANA1610 SPS03. Dabei enthält der Support Package Stack 03 alle Neuerungen der vorigen Feature Pack Stacks.

Der Hersteller sagt aktuell für einen Innovation Release ein 5-jähriges Wartungsfenster zu. So wird der Innovation Release S/4HANA 1511 noch mindestens bis Ende 2020 mit Support Package Stacks versorgt und vom Hersteller stabil gehalten.  Spätestens nach Ablauf des Wartungsfensters sollte der Kunde ein Upgrade auf einen neueren Innovation Release vornehmen, um weiterhin die Garantieleistung des Herstellers in Anspruch nehmen zu können. Dabei ist es empfehlenswert, den aktuellsten Innovation Release zu nehmen, um wieder ein Wartungsfenster von vollen fünf Jahren zu haben.

Andreas Loibl ist SAP-Berater, Ethical Hacker und Online Marketing Manager und schreibt auf seinem Blog DaFRK Blog über verschiedene Themen in den Sektoren Projektmanagement, Informationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung, Finanzen und Zeitmanagement.

DaFRK

Andreas Loibl ist SAP-Berater, Ethical Hacker und Online Marketing Manager und schreibt auf seinem Blog DaFRK Blog über verschiedene Themen in den Sektoren Projektmanagement, Informationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung, Finanzen und Zeitmanagement.

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